ANNO DAZUMAL

Die Gründungsgeschichte des BVO

An einem Mittwoch im März 1998 trafen wir uns in der Sportgaststätte Günzlhofen mit unseren Gründungsmitgliedern Josef Zeller, Vitus Kraus, Michael Staudenmeir und einem ehemaligen Vorstand des BVO Jakob Staffler zu einer sogenannten Plauderei über die frühen, anfänglichen Zeiten des Burschenverein Oberschweinbach.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten und dem allgemeinen "Ja mei, des is ja scho so lang her", zog Josef Zeller einige mitgebrachte Fotos aus seiner Jackentasche und allmählich sprudelten die Erinnerungen unserer Gründungsväter hervor.

So berichteten sie, dass einige Mitglieder der bestehenden katholischen Jugendgruppe Oberschweinbach im Jahr 1953 zum damaligen Pfarrer Bendert nach Günzlhofen gingen, um mit ihm über die Spende eines Maibaums aus dem Wald der Pfarrgemeinde zu reden. Dieser verweigerte ihnen jedoch prompt ihre Bitte. Aufgrund der Enttäuschung und des Ärgers über die Entscheidung des Pfarrers kündigten daraufhin einige Jugendliche ihre Mitgliedschaft in der katholischen Jugendgruppe und gründeten nur kurze Zeit später die Burschenschaft Oberschweinbach, d. h. den späteren Burschenverein Oberschweinbach. Die Jugendlichen waren unsere Gründungsmitglieder:

Adi Schmid
Adi Staudenmeir
Friedl Witteck
Hans Loy
Josef Zeller
Leonhard Baumgart
Lorenz Rest
Michael Staudenmeir
Otto Kotzur
Rudi Kraus
Vitus Kraus

Als Vorstand und Kassier, d. h. als Chef dieses "wilden Haufens", wie sie sich selber bezeichneten, wurde damals einstimmig Adi Staudenmeir gewählt. Als Kassenheft und -buch dienten ihm ein altes Schulheft und eine große Zigarrenschachtel, in der sämtliche Vereinseinnahmen, wie z. B. der Jahresbeitrag in Höhe von 1,- DM verwaltet wurden.


Landjugendgruppe Oberschweinbach

In selben Jahr 1953 wurde der Maibaum dann von der Baroness Lotzbeck aus Nannhofen gestiftet und im Anwesen Näßl in Oberschweinbach für das Aufstellen vorbereitet. Am 01.05.1953 kam es dann zur ersten großen Veranstaltung des BVO, dem Maibaumaufstellen mit anschließendem Maitanz. Der Maibaum wurde damals am Transformatorhaus in Oberschweinbach per Hand aufgestellt und der darauffolgende Maitanz fand im Gasthaus Steininger statt. Um diesen Tanz zu veranstalten, musste jedes Burschenmitglied zuvor 5,- DM als Sicherheit in die Vereinskasse einzahlen. Als Musik wurde die damals bekannte Kapelle "Melodia" aus Germerswang engagiert und das Schlafzimmer der Wirtin wurde kurzerhand in eine ordentliche Schnapsbar umgebaut. Dort konnte man dann so "neumoderne Drinks" wie z. B. Goldwasser, Banana- und Blue Bowls, Takko mit Nuß oder Eskorial Grün mit über 50% zu sich nehmen.

Eines unserer Gründungsmitglieder erinnerte sich dabei an seine besorgte Mutter, die meinte, ihr braver Sohn wäre sehr krank, da er die ganze Nacht hindurch Galle gebrochen hatte. Dabei handelte es sich bei dem grünen, galleähnlichen "Auswurf" nur um die Folgen des wilden Abends mit Eskorial Grün.

Des weiteren erinnerten sich unsere Vorgänger noch an den, im Vergleich zu heute, billigen Bierpreis von 30-35 Pf pro Halbe Bier. Das sogenannte Erntebier, ein besonders leichtes Bier, kostete sogar nur ca. 25 Pf.

Alles in allem und zur großen Freude unserer Gründungsmitglieder wurde an diesem 01.05.1953 dann der für die damalige Zeit enorme Gewinn von DM 3,35 erzielt. Vor lauter Glück schrieb Vereinschef Adi Staudenmeir nicht nur den Betrag in sein Kassenbuch, sondern malte sogar die einzelnen Geldstücke in sein Heft ab.

Aufgrund dieses Erfolges beschlossen die Vereinsmitglieder weiterhin Veranstaltungen in der Gemeinde zu organisieren. So kam es alle Vierteljahre zu einem Tanz mit Live-Musik in der Wirtschaft Steininger, der jedes Mal, so betonen es unsere Vorgänger noch heute, mit einem Gewinn endete. Außerdem entstand im Fasching ein großer "Burschen- und Bürgerball" mit Maskenprämierung.

Doch auch andere Aktivitäten, wie Z. B. ein vereinsinternes Spiel ohne Grenzen mit Disziplinen wie z. B. Schubkarrenrennen, Eierlauf, Hosen- und Schuhrennen, etc., oder eintägige Burschenausflüge nach Garmisch oder an den Kochelsee wurden organisiert. Des weiteren übernahm man natürlich auch den alten Brauch des Jaudusbrennens am Karsamstag.

Nach langem Schwelgen in alten Erinnerungen und vielen lustigen Anekdoten aus früherer Zeit wurde uns vor allem klar, wie schön und wichtig es ist, die Beziehung zu unseren Gründungsmitgliedern und ehemaligen Burschen aufrecht zu erhalten und zu pflegen.